FAMILIEN STÄRKEN - PERSPEKTIVEN ERÖFFNEN

Mehr als 800 mal Licht am Horizont

Caroline Matthies und Nicole Pide helfen jungen arbeitslosen Familien und Alleinerziehenden

Die Familienintegrationscoaches Caroline Matthies und Nicole Pide. Foto: Volksstimme
Foto: Volksstimme

Egmar Gebert
Volksstimme Stendal, 29.06.2016, Seite 14

Nicole Pide und Caroline Matthies sind Familienintegrationscoaches. Ihr Job ist es, ein Projekt zu verwirklichen, mit dem sie bisher bereits fast 900 arbeitslosen Müttern oder Vätern auf dem Weg in eine bessere Zukunft helfen konnten.

Maria, Mutter zweier Kinder, Kellnerin. Die Beziehung zu ihrem Partner zerbricht und mit ihr Marias komplettes Leben, so scheint es. Die Probleme wachsen der jungen Frau über den Kopf. Sie verliert ihren Job. Alleinerziehend und Arbeit im Schichtdienst – das funktionierte nicht. Die Chance auf einen Neuanfang? Maria sieht sie nicht.

In den meisten Fällen alleinerziehende Mütter
Die Personen sind erfunden, die Geschichte hingegen ziemlich nah an der Realität, die Nicole Pide und Caroline Matthies in ihrer Arbeit miterleben. Sie helfen Menschen wie Maria auf der Suche nach Auswegen aus solchen und ähnlichen Situationen. Die beiden Frauen sind Familienintegrationscoaches im Landkreis Stendal, als solche dafür zuständig, das Projekt „Familien stärken - Perspektiven eröffnen“ mit Leben zu erfüllen.

„Das Projekt gibt es seit 2012. Der Landkreis hat sich damals erfolgreich um Aufnahme darin beworben“, erklärt Sebastian Stoll, zweiter Beigeordneter des Stendaler Landrates und Chef von Nicole Pide, studierte Reha-Psychologin, und Erziehungswissenschaftlerin Caroline Matthies. Ihr beruflicher Hintergrund kommt beiden Frauen ebenso zugute wie die Tatsache, dass sie Mütter sind und sich in die Situation ihrer Gesprächspartner hineindenken können. Denn das ist das Erste, was sie anbieten, wenn eine arbeitslose, alleinerziehende Mutter zu ihnen kommt - das Gespräch. Etwa 90 Prozent aller bisherigen Teilnehmer am Projekt sind alleinerziehend und überwiegend Frauen. In der Regel wird dieses erste Gespräch mit den Familiencoaches vom Jobcenter vermittelt, dem wichtigsten, wenn auch nicht einzigen Partner von Pide und Matthies.

Schulden sind ein ganz großes Thema
„Die meisten im Jobcenter Angesprochenen wollen auch ein Gespräch mit uns. In der Regel sehen wir dann, wo Hilfe gebraucht wird, sofort oder in der folgenden Zeit“, sagt Nicole Pide und Caroline Matthies ergänzt: „Es geht zum Beispiel um Kinderbetreuungsmöglichkeiten, um die Wohnungssituation, um Schulden - ein ganz großes Thema -, auch um Demotivation wegen übermächtig erscheinender Bürokratie.“

Wenn die beiden Familienintegrationscoaches auch nicht auf jede Frage die Antwort parat haben, so wissen sie dann doch immer, wo die entsprechenden Ansprechpartner sitzen. Egal ob diese nun in einer anderen Abteilung des Landratsamtes, beim Verein Miß-Mut, in der Erziehungsberatungsstelle oder in der Schuldnerberatung zu finden sind, um nur einige aus den Netzwerken zu nennen, mit denen Nicole Pide und Caroline Matthies zusammenarbeiten.

Meist geht auch es um neue berufliche Perspektiven, die gemeinsam entwickelt werden. Wieder in Arbeit zu kommen, sei ganz wichtig, sagen Nicole Pide und Caroline Matthies. "Wenn man sieht, der- oder diejenige hat jetzt wieder Arbeit, lernt, sein Leben neu zu organisieren, kann Familie und Job unter einen Hut bringen. Da steht dann plötzlich ein ganz anderer Mensch vor einem als jener, der er beim ersten Gespräch war“, sagt Caroline Matthies. Solche Glücksmomente sind so etwas wie der Punkt auf dem i. Ihn zu setzen, gelingt nicht immer. Aber helfen konnten die beiden Familienintegrationscoaches bisher immer, und wenn es "nur" beim Überarbeiten einer Bewerbungsmappe war.

Nach vier Projektjahren: Ein Gespräch lohnt immer
"Wer solche oder ähnliche Probleme hat, kann sich gern bei uns melden. Ein Gespräch lohnt immer. Und wenn wir nicht helfen können, wissen wir bestimmt, wo derjenige sitzt, der es kann", macht Nicole Pide Mut, den Kontakt zu ihr und ihrer Kollegin zu suchen. Bisher, also seit Ende 2012 bis Mitte Juni, taten das 884 Frauen und Männer. 180 von ihnen konnten in sogenannte Erprobungsarbeitsplätze vermittelt werden, 60 Prozent von denen wiederum wurden danach von den Firmen übernommen.

11.08.2016

© Edgar Kraul E-Mail

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